Erfahrungsbericht Multimedia
Die schöne Welt des Internets
Alle reden davon und alle wollen dabei sein...
Der Boom rund ums Internet erinnert an die Goldgründerzeiten
Mitte des 18. Jahrhunderts, als die halbe Welt nach Kalifornien
ging und Gold suchte.
Doch Heute wie Damals gab es nur Wenige, die erfolgreich waren.
Als ich zum ersten Mal durch das Unternehmen geführt wurde,
hatte ich unheimlichen Respekt vor den emsig arbeitenden, hinter
riesigen Bildschirmen verschanzten Angestellten. Für jemanden
wie mich, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht soviel Erfahrung mit
dem Umgang mit Computern hatte, wirkte das alles sehr professionell
und kompliziert. Es dauerte jedoch keinen Monat und auch ich saß
lässig hinter einem von diesen riesigen Bildschirmen und war
voller Zuversicht auf das, was da kommen möge. Nicht, dass
ich nun alles beherrschte, ich wusste einfach, dass ich alle mir
noch so kompliziert vorkommenden Aufgaben lösen kann, wenn
ich nur wollte. Diese Einstellung half mir bis heute. Nur nicht
die Nerven verlieren! Eine der wichtigsten Eigenschaften, um in
dieser Branche nicht unterzugehen.
Ich hatte also das große Los gezogen und durfte bei einem
Onlinedienst den Beruf zur Kauffrau für audiovisuelle Medien
erlernen.
Doch was kann ein Azubi in einem solchen Unternehmen erlernen?
Online-Redaktion
In der Online-Redaktion kann man als Auszubildender schon mal einen
eigenen Beitrag schreiben inkl. Recherche. Projektkoordination,
d. h. Schnittstelle für Redakteure, Agentur und Producing (Organisation
von der Idee bis zur Onlinestellung).
Technik
Am Anfang fühlt man sich ganz klein und nicht von dieser Welt.
Mit der Zeit bekommt man dann eine ungefähre Vorstellung, warum
so etwas, wie das Internet überhaupt funktioniert. Natürlich
kann man hier nicht so viel mitarbeiten, wie in den anderen Abteilungen,
man bekommt jedoch einen interessanten Einblick in die wundersame
Welt des Internets. Und wie die Techniker zu sagen pflegten "Alle
kochen nur mit Wasser", das bedeutet soviel wie: alles kann
man mit Fleiß und ein bisschen Verständnis erlernen.
Und so habe ich auch ein wenig Programmieren gelernt, was vorher
für mich unvorstellbar war.
Buchhaltung
Die Buchhaltung bei einem Online-Dienst unterscheidet sich so gut
wie nicht von der anderer Wirtschaftsunternehmen. Hier erlernen
wir Azubis u.a. Rechnungen auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen
und zu kontieren, Debitor- und Kreditorrechnungen in SAP R/3 zu
buchen, Ausgangrechnungen zu schreiben und Reisekostenabrechnungen
zu erstellen und zu prüfen. Die Buchhaltung war eine der ersten
Abteilungen, bei der ich mein hart erkämpftes Schulwissen (Rechnungswesen)
auf die Probe stellen konnte!
Geschäftsführung
Der Aufgabenbereich, den man in der Geschäftsführung kennenlernt,
läßt sich mit der Position der Assistenz der Geschäftsführung
gleichsetzen. Hier gibt es nur wenige klassische Aufgaben zu erledigen
- einfach alles was anfällt und dies ist eine Menge! Flüge,
Hotels etc. buchen, die permanenten Anrufe "handeln" oder
z. B. firmeninterne Seminare und Veranstaltungen organisieren (Räumlichkeiten,
Catering, vor Ort vorhandene Technik abklären, Hinfahrt + Rückfahrt),
Präsentationen für diverse Meetings in Microsoft Powerpoint
erstellen, Geschäftsbriefe schreiben bzw. eher "in Form
bringen", etc.
Marketing
Auch hier hört die Arbeit nie auf! Doch Stress hält uns
ja bekanntlich jung und frisch.
- Anzeigenplanung:
Wo setze ich eine Anzeige hin (print oder online), wie soll sie
aussehen? Was darf sie kosten? Thema? Das bedeutet viel Zusammenarbeit
mit der Werbeagentur und auch viel hin und her, weil man ja nie
zufrieden ist.
- Messeorganisation:
Auf welchen Messen werden wir dieses Jahr präsent sein? Die
allseits bekannte Frage nach dem Budget. Und ist diese dann endlich
geklärt, richten sich danach die Ausgaben für die Standmiete,
den Messebauer, die Plakatwerbung, Gewinncoupons, Gewinne, Give
Aways, etc.
- Marketingtools:
Dazu gehört z. B. das wöchentliche Versenden von Newslettern
an registrierte Nutzer. Eine der beliebtesten Marketingmaßnahmen
im Onlinegeschäft. Wichtig ist auch die ständige Kommunikation
mit den Nutzern, welche durch Gewinnspiele und Meinungsumfragen
erzielt wird. Gerade durch diese Umfragen erfährt man, wie
der Dienst von seinen Nutzern aufgenommen wird. Ein Nachteil hat
das Ganze: nur wer unzufrieden ist, sagt seine Meinung und man erhält
hier meist nur ein negatives Feedback. Daher misst man die Zufriedenheit
der Nutzer eher an den steigenden PageImpressions. Ansonsten hält
man sich mit redaktionellen Beiträgen oder Pressemitteilungen
in den entsprechenden Printmedien im Gespräch und lockt potentielle
Nutzer online.
Vertrieb
Der Vertrieb sorgt dafür, dass möglichst genug Kunden
an Land gezogen werden, die online Ihre Werbung schalten. Aufklärungsarbeit
steht hier meist an erster Stelle, da für viele Unternehmen
Online-Marketing ein ganz neues Terrain ist. Für uns Azubis
heißt das, das Vertriebsteam in seinen täglichen Aufgaben
zu unterstützen. Das beginnt bei Buchen von Flügen und
Hotels, Angebote schreiben, Reisekostenabrechnungen vorbereiten,
Informationsveranstaltungen für die Kunden organisieren und
auch mal bei dem einem oder anderem Kundengespräch dabei sein.
Producing
Beim Producing ist es ähnlich wie in der Technik: man sieht
viel, kann aber nicht wirklich selbständig mitarbeiten. Das
trifft zumindest für mich zu. Der ein oder andere, der sich
in diesem Gebieten besser auskennt, kann sich sicherlich nützlicher
machen. Zum Beispiel beim Programmieren bzw. Produzieren von Grafiken,
wie z. B. Bannern, von Eingabemasken, die der User beispielsweise
bei der Teilnahme an einem Gewinnspiel ausfüllen muss etc.
Bist Du der/die Richtige für die Online-Welt?
Wer sich seine berufliche Zukunft im Online-Bereich vorstellt
sollte, wie in jedem anderem Medienunternehmen, über starke
Nerven verfügen, unbezahlte Überstunden in Kauf nehmen,
unter Zeitdruck arbeiten können, keine Angst vor Computern
haben u.s.w. Dafür hat man aber auch einen überaus interessanten
und abwechslungsreichen Job. Auch die schnellen Aufstiegschancen
sind in dieser Branche nicht zu unterschätzen. Jemandem, der
eine Ausbildung im Online-Bereich anstrebt, sei geraten darauf zu
achten, wer finanziell hinter dem Unternehmen steht. Denn wie es
leider nur allzu oft der Fall ist, gehen auch noch so verheißungsvolle
Start-Ups genauso schnell, wie sie gekommen waren. Erfahrungsgemäß
ist es sehr schwer ein neues Unternehmen zu finden, das einen Azubi
für den Rest seiner Lehrzeit noch aufnimmt.
Auch sollte man darauf vorbereitet sein, dass der Erfolg im Online-Business
sich vorerst nicht in schwarzen Zahlen ausdrückt. Es braucht
Zeit und Geld ehe sich ein Dienst fest auf dem Markt etabliert hat.
Und wie gesagt: schon damals zu den Goldgräberzeiten waren
es nur wenige, die aufgrund ihres Fundes erfolgreich wurden. Und
auch heute sind die besten Plätze bereits vergeben.
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